Viele Kreditkarten mit optionaler Ratenzahlungsfunktion bieten die Möglichkeit, eine Restschuldversicherung abzuschließen. Restschuldversicherungen übernehmen die fälligen Raten eines Kredites, wenn der Kreditnehmer arbeitslos wird, aufgrund einer Erkrankung dauerhaft nicht arbeiten kann oder verstirbt. Die Kosten der Policen richten sich nach dem valutierenden Kreditbetrag: Je höher der offene Saldo der Kreditkarte ist, desto höher ist auch die Prämie. Im Durchschnitt betragen die Kosten für eine solche Versicherungen zwischen 0,7 und 1,0 Prozent des offenen Kreditbetrages pro Monat.
Bei Kreditkarten für Studenten sind solche Restschuldversicherungen nur sehr begrenzt zu empfehlen. Der Grund: In der Regel besteht kein festes Arbeitsverhältnis, so dass der Versicherungsschutz auch nicht greifen kann. Die meisten Restschuldversicherungen setzen voraus, dass ein Angestelltenverhältnis mit vollumfänglicher Sozialversicherungspflicht und unbefristetem Arbeitsvertrag bestehen muss, damit im Fall eines Jobverlustes die fälligen Raten übernommen werden. Werkstudenten-Jobs und Nebentätigkeiten auf 400-Euro-Basis zählen regelmäßig nicht dazu. Darüber sehen die meisten Restschuldversicherungen eine Karenzzeit von bis zu drei Monaten vor, während der keine Leistungen erbracht werden.
Studenten-Kreditkarten kommen ohne Absicherung aus
Banken bieten die Restschuldversicherungen sowohl Neu- als auch Bestandskunden an. Studenten-Kreditkarten kommen allerdings besser ohne den Versicherungsschutz aus. Wer als Studenten dauerhaft keinen Nebenjob findet, kommt wegen oben genannter Gründe in der Regel ohnehin nicht in den Genuss von Leistungen. Elementare Risiken, wie Tod und Unfall- bzw. krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit werden besser durch entsprechende Policen abgedeckt. Eine Risikolebensversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung reichen dazu vollkommen aus.
Nicht nur wegen der auf studentische Belange nicht zugeschnittenen Leistungsangebote sind Restschuldpolicen abzulehnen. Auch die Kosten sind viel zu hoch. Wer jeden Monat 0,9 Prozent des offenen Kartensaldos für die Versicherungsprämie aufbringen muss, zahlt bei einem durchschnittlichen Kreditvolumen von 2.000 Euro 18 Euro monatlich und damit mehr als 200 Euro im Jahr. Das entspricht einem zusätzlichen Zinssatz von mehr als zehn Prozent, der auf den regulären Sollzins aufgeschlagen wird.
Banken machen sich bei der Bewerbung ihrer Restschuldversicherungen gerne die Unerfahrenheit vieler Studenten in finanziellen Angelegenheiten zunutze. Für die Kreditinstitute sind die Policen ein gutes Geschäft: Die Kreditausfallrisiken werden reduziert und es wird eine zusätzliche Einnahmequelle geschaffen. Deshalb werden Restschuldversicherungen mitunter recht offensiv beworben.
Der Gesetzgeber aber stellt klar, dass die Einräumung eines Kreditrahmens keinesfalls an den Abschluss einer Restschuldversicherung (oder irgendeines anderen Vertrages) gekoppelt werden darf. Auch wenn eine Police abgeschlossen wird, handelt es sich stets um einen eigenständigen Vertrag, der jederzeit durch den Kreditnehmer gekündigt werden darf. Die Kündigung darf keine Kürzung oder Streichung des Kreditrahmens nach sich ziehen.
Restschuldversicherungen sind bei Studenten-Kreditkarten nur dann zu empfehlen, wenn die Police im Leistungsumfang ohne Kostenaufschlag enthalten ist und die Gesamtkonditionen der Kreditkarte günstig ausfallen. Bislang finden sich solche Angebote auf dem deutschen Markt allerdings nicht.